Zu wissen, dass ein geliebter Mensch nicht mehr lange lebt, stellt den Alltag vieler Betroffener auf den Kopf. Oftmals mischt sich das Gefühl der Traurigkeit mit Überforderung. Der Schwester-Neria-Fonds aus Delbrück unterstützt Menschen auf diesem letzten Weg.

Der Grundstein für die heutige Palliativarbeit wurde bereits vor 20 Jahren gelegt. Das damalige Ziel: die bestmögliche Betreuung und Behandlung von Menschen mit einer nicht heilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung.

Um die damit verbundenen Aufgaben weiter ausbauen zu können, entstand damals die Idee, einen Verein zu gründen. Und so entstand das Palliativnetzwerk Delbrücker Land am 1. Mai 2007, aus dem später der Schwester-Neria-Fonds gebildet wurde.

Eine Person, die als Gründungsmitglied von Anfang an mit dabei ist, ist Rita Dunschen. Seit 18 Jahren als Vorstandsvorsitzende im Schwester-Neria-Fonds Palliativnetzwerk Delbrücker Land aktiv, hat sie viel gesehen und mit vielen Menschen gesprochen. Sie weiß, wie bedeutsam die ehrenamtliche Arbeit jedes einzelnen Mitarbeiters ist.

„Rund 35 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich als Palliativ- und Hospizbegleiter im Netzwerk und besuchen die Menschen zuhause. Ohne dieses Engagement und die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Institutionen und Ärzten wäre diese Arbeit nicht möglich“, sagt Rita Dunschen.

Auch sie selbst hat mit Angehörigen und Betroffenen gesprochen und hierbei viele Schicksale kennengelernt. Nun hat sie ihre Position als Vorstandsvorsitzende des Schwester-Neria-Fonds in andere, wie sie selbst sagt, „jüngere Hände“ abgegeben. Somit wurde Peter Hartmann, bisher stellvertretender Vorsitzender und Inhaber der Sonnenapotheke in Delbrück, zum neuen Vorsitzenden ernannt. Gabriele Fecke wurde neu in den Vorstand gewählt und übernimmt die Aufgaben von Peter Hartmann als stellvertretende Vorsitzende.

„Als Apotheker habe ich schon allein aus meiner beruflichen Perspektive heraus mit Palliativversorgung zu tun und weiß, wie wertvoll diese Arbeit ist. Doch auch durch mein privates Umfeld bin ich bereits damit in Berührung gekommen“, sagt Hartmann, der seit drei Jahren im Vorstand aktiv ist. „Das Palliativnetzwerk entlastet Familien, denn viele sind mit der Situation komplett überfordert.“

Um die langjährige Arbeit von Rita Dunschen zu würdigen, wurde sie zur Ehrenvorsitzenden ernannt. Gemeinsam mit dem ärztlichen Leiter des Netzwerks, Dr. Johannes Meiß, habe Rita Dunschen mit ihrer ruhigen und souveränen Art die Arbeit über viele Jahre hinweg geprägt, sagte Peter Hartmann auf der Versammlung.

Und auch Dr. Johannes Meiß komme eine tragende Rolle zu, denn wo immer es möglich war, habe er auf Veranstaltungen den Fonds und seine Ziele vorgestellt. Die Unterstützung des Palliativnetzwerks reicht von der Koordination und der Bereitstellung von medizinischen oder pflegerischen Hilfsmitteln über die Kostenübernahme bis zur Aus- und Weiterbildung der ehrenamtlichen Mitarbeiter des Netzwerks, also der Förderung der Palliativ- und Hospizarbeit. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als 100 Menschen palliativ begleitet.

Die Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospiz- und Palliativbegleiter dauert mehrere Wochen. Auch hierbei ist die große Vernetzung untereinander ein Vorteil. „Oftmals melden sich Einrichtungen bei uns, deren Krankenschwestern die Ausbildung absolvieren möchten“, sagt Rita Dunschen weiter. Da nicht alle Träger die Kosten für die Ausbildung übernehmen, kommt dem Netzwerk auch hier eine entscheidende Rolle zu. Dem Fonds ist es auch zu verdanken, dass mittlerweile fünf Palliativzimmer im Delbrücker Stadtgebiet eingerichtet wurden, wie zum Beispiel in unterschiedlichen Pflegeheimen.

In der Anfangszeit hätte keiner der Gründungsmitglieder es für möglich gehalten, auf solch eine Unterstützung zu treffen. Daher gilt Rita Dunschens Dank auch allen Menschen, die die Arbeit durch ihre Spende möglich gemacht haben und auch weiterhin ermöglichen.

Der Grundgedanke des Palliativnetzwerks geht auf Schwester Neria zurück, die als Ordensfrau der Armen Dienstmägde Jesu Christi in Dernbach gearbeitet hat und im Delbrücker Krankenhaus tätig war. Sie hat auch Patienten zuhause besucht. „Sie ist immer mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, von Hof zu Hof und von Patient zu Patient“, sagt Rita Dunschen.

Geboren wurde Schwester Neria 1885 als Anna Bär in Hausen bei Limburg. Von 1913 bis 1938 war sie im Bereich der häuslichen Krankenpflege und in verschiedenen Krankenhäusern im Westerwald tätig. Nach ihrer Tätigkeit im Westerwald war sie im Delbrücker Krankenhaus, wo sie bis 1971 tätig war. Mehr Informationen gibt es unter www.schwester-neria-fonds.de.